Über den Wert der kleinen Dinge - oder: Vom "Prikkelholt"

 

Kennt ihr solches Holz? Das sind Zweige und kleine Äste, die der Sturm von unserer Eiche geweht hat. Bis vor kurzem haben wir dieses Kleinholz in die Biotonne geworfen. Das machen wir jetzt anders. Wir sammeln alles ein und packen es auf die Terrasse. Dort soll es trocknen. Denn bald schon können wir es als Anzündeholz nehmen für den Ofen oder für die Feuerschale.

Ich erinnere mich an meine Mutter. Sie hat häufiger davon erzählt, dass ihre Schwester und sie nach starkem Wind oder Sturm von den Eltern losgeschickt wurden, das von den Bäumen gefallene Holz einzusammeln. "Damit haben wir unsere Öfen angefeuert",erzählte sie. Dieses Holz wurde auf Plattdeutsch "Prikkelholt" genannt wurde. Es war umsonst. Alle gingen los, dieses Holz einzusammeln. "Weißt du, es waren ja arme Zeiten." So sagte sie dann. 

Als wir uns einen Ofen kauften vor ungefähr 14 Jahren, da hat sie den Kopf geschüttelt. "Wollt ihr wieder anfangen wie früher? Mit Holz und Asche und mit dem ganzen Staub? Wir haben es doch so bequem, einfach nur am Knopf von der Heizung drehen, dann haben wird es warm." Ja, wir wollten so wieder anfangen: einen Ofen haben, der nicht nur heizen kann, sondern der ein Backfach hat, und oben drauf kann man zumindest Wasser heiß machen. Wirklich kochen kann man darauf nicht, aber für die Wärmflasche ist das Wasser prima geeignet. Ich hatte damals wirklich Angst: es war die Zeit der Lehmann Brothers Pleite. Und diese Bankenpleite schwappte auch zu uns. Das war 2008. Ich meine, 2011 haben wir unseren Ofen gekauft. Ich wollte zur Not unabhängig sein vom Heizen mit Gas, es warm haben auch im Winter - und immer was zu essen zubereiten können. 

Als wir nach Flensburg zogen, kam der Ofen selbstverständlich mit. Hier haben wir ihn viel häufiger an als in Visquard. Denn hier haben wir Zeit, nach dem Feuer zu gucken und Holz nachzulegen. Hier haben wir auch mehr Muße, in Ruhe vor dem Ofen zu sitzen und in die Flammen zu sehen. Wir nutzen das Backfach viel häufiger, schmoren Gemüse darin oder backen Brot und Kuchen. Zum Glück hat der Ofen top Abgaswerte, so kann er noch lange betrieben werden.

Ich habe keine Ahnung, wohin die Reise in diesem Land geht. Ich hoffe, es geht demokratisch weiter ohne Hass und Elend. Ich hoffe und bete um Frieden. Und ich hoffe, dass nicht alles zusammen bricht. Ich hoffe - aber handle nach dem orientalischen Sprichwort, das unsere Tochter mir beigebracht hat: "Vertraue auf Gott, aber binde dein Kamel an." Und freue mich über altes Wissen von Großeltern und Eltern. Die sind mit ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten durch ganz andere und wirklich schwere Zeiten gekommen. 

Erinnere dich an alles, was früher war, lerne aus der Geschichte der Menschheit! Bitte deinen Vater – er wird es dir erzählen! Frage deine Alten – sie werden es dir sagen!
5. Mose 32, 7 nach der Basisbibel.

P.S.: Für diesen Blog gab es mehrere fröhliche Telefonate und eine gemeinsame Internet Recherche mit Jann Schmidt, Leer (früherer Kirchenpräsident) zum Thema Anzündeholz oder Kleinholz. Die Frage, die uns antrieb: Wie nennt man Anzündeholz in Ostfriesischem Platt? Brickjes? Nein, das bedeutet Brikett. Prickjes? Oder vielleicht sogar Sprickjes? Alles scheint möglich zu sein. Ich bleibe bei dem, was meine Nordhorner Mama gesagt hat: Prickelholt. Nicht dass Ihr denkt, ich mache mir keine Mühe. 😉




Kommentare

  1. PrIckelholz kenne ich auch noch. War mir entfallen aberdurch deine Geschichte ist es wieder präsent. L G aus Nordhorn liebe Heike.

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  2. Super geschrieben...auf den Punkt gebracht und " richtig" wählen gehen

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  3. Super, Heike, genauso mach ich‘s auch, mehr und mehr, das Kleinholz aufheben und für den Ofen trocknen - es ist so gemütlich. Und ein Stück „leben wie einst“: authentisch, elementar, naturnah - liebe Grüße , Michael

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