Zu_versicht oder: Nicht vor lauter Sorgen mutlos werden
Ich habe einen Instagram Account eröffnet, der sollte Zuversicht heißen. Davon gibt es aber schon einige, so heißt mein/unser Account nun Zu_versicht, getrennt mit einem tiefen Minus.
Ich finde es wirklich prima, dass es Zuversicht-Accounts schon gibt. Das ist erst mal ein gutes Zeichen. Leider geht es aber im Alltag nicht sehr zuversichtlich zu: die Menschen in Deutschland sind voller Sorgen. Die Multikrise, also die Anhäufung von Krisen aller Art, macht unsere Nerven dünn. Es gibt Forschungen, die die Stimmung im Land untersuchen. Das wird dann in einem sogenannten Sorgenbarometer zusammengefasst. Da sieht es gar nicht zuversichtlich aus.
Ich möchte es mal so zusammenfassen: wir leiden unter einer vielfältigen Klimakrise:
- Das Klima untereinander kühlt sich besorgniserregend ab. Ich zuerst, Ellenbogen raus, vor allem sich selbst im Blick haben, das scheint gerade gruselig zuzunehmen.
- Das Klima untereinander kühlt sich besorgniserregend ab. Ich zuerst, Ellenbogen raus, vor allem sich selbst im Blick haben, das scheint gerade gruselig zuzunehmen.
- Das politische Klima verändert sich: das Leben in der Demokratie hat uns gute und ruhige Jahre beschert. Nie wieder, haben wir gedacht, das ist gesetzt: nie wieder Faschismus, nie wieder Unrechtsherrschaft, nie wieder ein totalitäres Regime, das sich über Recht und Ordnung hinwegsetzt. Und nun ist unsere Demokratie so stark gefährdet wie nie seit dem Ende des 2. Weltkriegs. Rechte Kräfte erstarken. Das macht mir Angst. Ich sehe nach Amerika und bin entsetzt, wie diese alte Demokratie zerbröselt durch einige wenige, die die Macht an sich gerissen haben.
- Das Klima unter den Ländern hat sich verändert: Machtblöcke zwischen Ost und West lösen sich auf. Europa hat von Amerika die Scheidungspapiere bekommen, nannte es ein Reporter vor kurzem. Kriege um Land und Macht werden geführt wie im Mittelalter. "Noch immer hat der Stärk're Recht, geht es dem Außenseiter schlecht, lügt mancher Staatsmann wie gedruckt" - so heißt es in dem Lied "Mein guter, alter Balthasar", geschrieben 1975 von Reinhard Mey.
- Das wirtschaftliche Klima lässt uns nachts schlecht schlafen: die Autoindustrie krankt, die Konjunktur lahmt, der Schuldenberg wird immer größer. Und was wird eigentlich aus der Rente?
- Das Klima in und um Kirche und Christentum ist in einer tiefen Krise. Den VertreterInnen in den Kirchen wird nichts mehr zugetraut, ihre Worte werden kaum noch für voll genommen. Kirchen stehen leer, werden nicht mehr gebraucht. Man verkauft sie, reißt sie ab. Menschen treten in Scharen aus der Kirche aus, weil sie nichts mehr davon erwarten. Alles, was mal galt, steht in Frage.
Und vermutlich das schlimmste:
- Das Weltklima ist bedroht durch Massen an CO2, das wir alle jahrzehntelang gedankenlos in die Atmosphäre geblasen haben. Die Erde erwärmt sich stark, die Polkappen schmelzen, der Meerensspiegel steigt. Folge: Uns wird das Wasser bald bis zum Hals stehen und höher. Alarmstimmung herrscht bereits in den Niederlanden, wo große Teile des Landes sehr tief liegen. Wie ist der Gefahr zu begegnen, dass diese riesigen Flächen unbewohnbar werden? Und diese drängende Frage stellt sich überall, wo Menschen dicht an Meeren oder Flüssen wohnen.
Sorgen über Sorgen.
Wir möchten dabei nicht stehen bleiben. Wir möchten Zuversicht säen. Es zumindest versuchen. Mit alten Worten aus den Psalmen. Menschen haben in schweren Zeiten immer Zuflucht gesucht. Und sehr oft bei den Worten aus dem Psalter, dem Gebetbuch der Bibel.
Wer ist wir, die wir uns auf den Weg machen?
Zwei Organisten: Jan-Hendrik Holzkämper aus Emden, Rudolf Werner Schaper aus Visquard und ich, Heike Schmid, eine Pastorin i. R. aus Flensburg. Wir haben als erstes den Psalm 46 im Gepäck: Gott ist unsere Zuversicht und Stärke. Und den Reimpsalm 46: Gott ist uns Zuflucht in Bedrängnis und Hilfe gegen das Verhängnis. Wir möchten voller Zuversicht nach vorne gehen, glauben, handeln.
Wir gehen zusammen auf eine Reise. Wie die genau aussehen wird, ist uns noch gar nicht klar. Aber wir fangen einfach an.
uns dreien
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Prima, wir freuen uns.
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