Höre nie auf anzufangen, fange nie an aufzuhören - oder: Von Vorbildern
Ich habe 2 neue Vorbilder: sie heißen Ulla und Hilde.
Ulla habe ich zum ersten Mal am Fahrradstand des Fitness-Studios getroffen. Wir kamen ins Gespräch, erzählten einander eine ganze Menge privater Dinge: Wer wir sind, wo wir wohnen. Was so los ist mit uns... Ulla erzählte, dass sie zum Training immer mit dem Fahrrad kommt. Dass sie überhaupt schon sehr viel Fahrrad gefahren ist in ihrem Leben. Dass Sport ihr gut tut, hat sie gesagt. Und dass er ihrem Leben Struktur gibt. Viele in ihrem Alter verzweifeln, leiden unter Einsamkeit und Langeweile. Die Tage werden ihnen lang. Nicht so bei Ulla. Ulla ist verwitwet - schon lange. Aber sie hat ihr Leben wieder gefunden und gestaltet es. Sie hat ein großes Netzwerk an Familie, Freunden und Bekannten. Ihr Leben ist ganz schön bunt. Ich habe ihr einiges von mir erzählt. Zum Schluss fragte sie mich nach meinem Alter. "Ich bin 65", antwortete ich. "Oh", sagte sie, "dann bin ich ja 21 Jahre älter." Wow, oder? Ich war platt und überzeugt: Ulla ist von nun an mein Vorbild. Höre nie auf anzufangen, fange nie an aufzuhören.
Etwas später lernte ich Hilde kennen. Hilde trainiert im Fitnesscenter hart mit einem großen Gymnastikball. Sie hat sich selbst ein ganz ausgeklügeltes Trainingssprogramm zusammengestellt. Das ist intensiv und lang. Mehrfach die Woche treffen wir uns, und jedes Mal staune ich über ihre große Disziplin. Treffen wir uns vorm Training im Unkleideraum, dann merke ich, wie schwer ihr alles fällt. Sie hat oft richtig große Schmerzen in den Gelenken. Aber die Bewegung tut ihr gut, sagt sie. Und je intensiver sie trainiert, desto weniger merkt sie, wie weh ihr alles tut. Hilde hat auch das 80. Lebensjahr hinter sich, aber das hält sie nicht davon ab zu kämpfen gegen ihre Krankheit.
Ulla und Hilde sind 2 besondere Frauen, die ihr Alter als Zahl klar akzeptieren, aber darin kein Hindernis sehen. Sie haben ihre Lebenszügel fest in beiden Händen. Es ist nicht immer einfach. Manchmal ist es auch richtig schwer, aber sie geben nicht auf. Sie sind richtige Stehauf-Menschen, die den Willen haben, nicht am Boden liegen zu bleiben.
"Was macht das jetzt mit mir, das Alter? Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur: ich stelle mich ihm, ich verleugne es nicht, ich versuche nicht jünger zu wirken, als ich bin. Und ich finde schon gar nicht, dass das Leben im Alter weniger wert ist." Dieses Zitat von Elke Heidenreich aus ihrem Buch "Altern" würden beide Frauen voll unterstützen. Sie stellen sich dem Alter, aber sie lassen sich davon nicht entmutigen oder unterkriegen.
Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen - so heißt es in Psalm 92, 15.
Hilde und Ulla blühen in ihrem Alter. Es hat bei beiden sehr schwere Zeiten gegeben, wo es so aussah, als würden sie vertrocknen in ihrem Kummer. Aber das ist überwunden. Jetzt ist die Zeit der Blüte. Und trotz ihres Alters sind sie jung geblieben oder wieder geworden.
Zum Schluss noch einmal Elke Heidenreich: "Was muss man tun, um gut zu altern? Wach bleiben. Am Ball bleiben. Freundschaften pflegen und nicht aufhören, am Leben teilzunehmen."
Einen habe ich noch: "Die Kunst des Lebens besteht darin, jung zu sterben, das aber so spät wie möglich." Reinhard Wandtner - gefunden bei Elke Heidenreich.
Bleibt fröhlich und jung, trotz alledem!
Liebe Grüße von Heike Schmid

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Toll geschrieben, liebe Heike!
AntwortenLöschenAlter ist wie Wein, die einen werden besser, die anderen sauer!
Auf uns und Deine Mädels – sie gehören zur Spätlese 🍷